
Viele Zentren prüfen die Klammernaht bei der Sleeve-Gastrektomie. Was große Studien zum Dichtigkeitstest zeigen und was ein negatives Ergebnis nicht aussagt.
Die Klammernahtinsuffizienz zählt zu den gefürchtetsten Komplikationen der laparoskopischen Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagen-OP). Um einen Defekt noch vor OP-Ende zu erkennen, führen viele Teams einen intraoperativen Dichtigkeitstest durch: Der distale Schlauchmagen wird abgeklemmt, dann wird Methylenblau oder Luft über die Kalibrierungssonde (Bougie, siehe Kalibrierungssonde) oder eine orogastrale Sonde eingebracht, während der Chirurg die Klammernaht beobachtet. Dieser Beitrag dient der Fortbildung: Er fasst veröffentlichte Studien zusammen und empfiehlt keine bestimmte Praxis.
Wie verbreitet ist der intraoperative Dichtigkeitstest?
In vielen Ländern ist er Standard. Eine landesweite Umfrage unter polnischen bariatrischen Zentren (2025) umfasste 54 Zentren und 7450 Sleeve-Gastrektomien aus dem Jahr 2023. In 84,3 % der Zentren gehörte der Test zur Routine, 70 % nutzten ein 36-Fr-Kalibrierungsinstrument. Die mittlere berichtete Leckagerate lag bei 0,33 %, die Blutungsrate bei 0,98 %. Es handelt sich um Selbstauskünfte, deren Grenzen die Autoren benennen.
In den USA ergab eine Auswertung des MBSAQIP-Registers mit 265.309 primären bariatrischen Eingriffen, dass in 81,9 % der Fälle getestet wurde.
Senkt der Test Leckagen nach Schlauchmagen-OP?
Große Datensätze zeigen keinen Schutzeffekt. In der MBSAQIP-Analyse waren die Raten von Leckagen und leckagebedingten Folgen mit und ohne Test ähnlich. Bei der Sleeve-Gastrektomie verlängerte der Test die OP-Zeit im Mittel um etwa 9,5 Minuten. Die Autoren fanden weder Hinweise auf Nutzen noch auf Schaden.
Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fasste 6 Studien mit 469.588 Patienten zusammen. Die Leckagerate betrug 0,38 % mit und 0,31 % ohne Test (OR 1,27). Postoperative Blutungen waren in der getesteten Gruppe seltener (OR 0,79); 30-Tage-Mortalität und Wiederaufnahmen unterschieden sich nicht. Alle Studien waren Beobachtungsstudien, die Zusammenhänge belegen also keine Kausalität.
Was ein negativer Test nicht aussagt
Eine monozentrische Serie mit 1550 Sleeve-Gastrektomien verdeutlicht dies. Getestet wurde bei 1329 Eingriffen, kein Test war positiv. Später entwickelten 15 Patienten (1 %) eine Leckage, mit gleicher Rate mit und ohne Test. Die Leckagen traten im Mittel am Tag 17,3 auf (Spanne 1 bis 67 Tage). Bei zwei Patienten war der bei Diagnose wiederholte Test weiterhin negativ.
Praktische Schlussfolgerungen für OP-Teams
Ein negativer Test zeigt, dass die Klammernaht in diesem Moment dicht war, schließt aber eine spätere Leckage nicht aus. Teams, die weiter testen, schätzen ihn als technische Kontrolle und Lehrinstrument; Teams, die darauf verzichten, verweisen auf die Zusatzzeit und den fehlenden Nutzen in Registerdaten. In jedem Fall bleiben ein schriftliches Protokoll, eine klare OP-Dokumentation und die Aufklärung der Patienten über Warnzeichen nach der Entlassung wichtig.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Fortbildung von Fachpersonal und stellt keine medizinische Beratung dar. Über die OP-Technik entscheiden Operateur und interdisziplinäres Team.
Verwandter Leitfaden: Bougie size in sleeve gastrectomy evidence review 2026
Quellen: - Sroczyński P et al. Videosurgery and Other Miniinvasive Techniques 2025, national survey of Polish bariatric centres (doi:10.20452/wiitm.2025.17954) - Yolsuriyanwong K et al. Surg Obes Relat Dis 2019, MBSAQIP analysis (doi:10.1016/j.soard.2019.06.008) - Ma L et al. Int J Surg 2024, systematic review and meta-analysis (doi:10.1097/JS9.0000000000000919) - Sethi M et al. Surg Endosc 2016 (doi:10.1007/s00464-015-4286-7)