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Drainage nach Adipositaschirurgie: Routine, selektiv, keine?

November 3, 2026
Drainage nach Adipositaschirurgie: Routine, selektiv, keine?

Redondrainage nach Schlauchmagen oder Bypass? Was aktuelle Registerdaten und eine drainagefreie Serie zeigen und wo die Grenzen der Evidenz liegen.

Eine geschlossene Saugdrainage (etwa Redondrainage oder Jackson-Pratt-Drainage) neben Klammernaht oder Anastomose war nach bariatrischen Eingriffen lange üblich. Die Idee: Die Drainage soll eine Leckage oder Blutung früh anzeigen und manche Verhalte ohne Reoperation ableiten. In den letzten zehn Jahren haben viele Teams die Routinedrainage aufgegeben. Dieser Beitrag fasst die aktuelle Evidenz zur Fortbildung zusammen und gibt keiner Klinik ein Vorgehen vor.

Wie oft wird noch drainiert?

Der Einsatz sinkt, ist aber nicht verschwunden. Eine Analyse des US-Registers MBSAQIP mit 526.723 Patienten nach primärer bariatrischer Operation 2020 bis 2022 zeigte einen Rückgang von 8,7 % auf 6,1 %. Bei Konversions- und Revisionseingriffen, die oft komplexer sind, fand eine weitere MBSAQIP-Analyse mit 64.495 Patienten Drainagen in 19,1 % der Fälle 2020 und in 14,4 % 2022. In einer landesweiten polnischen Umfrage von 2025 legten 66,7 % der Zentren nach Sleeve-Gastrektomie keine Routinedrainage.

Was die Registerdaten zeigen

Bei Primäreingriffen hatten drainierte Patienten nach Adjustierung für gemessene Risikofaktoren mehr Komplikationen: schwere 30-Tage-Komplikationen (adjustierte Odds Ratio 1,24), Anastomoseninsuffizienz (2,1), Organ-/Hohlrauminfektion (2,0), Reoperation (1,2) und längere Liegedauer. Bei Revisionseingriffen war die Richtung gleich: schwere Komplikationen (1,45), Leckage (2,25), Infektion (2,12) und Reoperation (1,37).

Diese Zusammenhänge sind vorsichtig zu deuten. Drainagen wurden häufiger bei älteren Patienten, höherem BMI, mehr Begleiterkrankungen und bei Eingriffen mit Anastomose gelegt. Bei Revisionen sagte auch ein intraoperativer Dichtigkeitstest die Drainage voraus, und die Gründe der Chirurgen wurden nicht erfasst. Wer sich um einen schwierigen Fall sorgt, legt eher eine Drainage: Sie kann also eher Risikomarker als Ursache sein. Beide Arbeiten empfehlen eine umsichtige Patientenauswahl; die Primärstudie fordert prospektive kontrollierte Studien.

Erfahrungen ohne Routinedrainage

Eine 2026 veröffentlichte Serie eines einzelnen Chirurgen umfasste 1122 primäre und revisionelle bariatrische Eingriffe von 2018 bis 2024 ohne Drainage im Rahmen eines ERAS-Programms. Die 30-Tage-Morbidität betrug 3,2 %. Leckagen traten bei 5 Patienten (0,4 %) auf, gastrointestinale Blutungen bei 13 (1,2 %), und über 92 % wurden am ersten Tag entlassen. Die meisten schweren Ereignisse traten erst nach dem Zeitraum auf, in dem eine Drainage üblicherweise entfernt worden wäre. Als Ein-Chirurgen-Serie ist sie nicht ohne Weiteres übertragbar.

Routine, selektiv oder keine?

Insgesamt spricht die Evidenz gegen eine routinemäßige prophylaktische Drainage nach primären bariatrischen Eingriffen. Sie zeigt aber nicht, dass Drainagen nie nützen: Keine dieser Studien war randomisiert, und manche Chirurgen drainieren weiterhin selektiv bei Risiko- oder Revisionseingriffen. Wird drainiert, sind geschlossene Saugdrainage-Systeme üblich; entscheidend sind eine klare Indikation, ein Plan zur Kontrolle der Fördermenge und rechtzeitiges Entfernen. Eine Drainage ersetzt nicht die klinische Wachsamkeit, da viele Komplikationen nach der Entlassung auftreten.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Fortbildung von Fachpersonal und stellt keine medizinische Beratung dar. Über eine Drainage entscheiden Operateur und interdisziplinäres Team.

Quellen: - Meyer DJ et al. Modern Trends of Drain Placement in Primary Bariatric Surgery: An MBSAQIP Analysis of 526,723 Patients. Obes Surg 2025 (doi:10.1007/s11695-025-07760-5) - Meyer DJ et al. Drain placement in conversional and revisional bariatric surgery, MBSAQIP 2020 to 2022. J Clin Med 2025 (doi:10.3390/jcm14072456) - Hsu JL et al. Feasibility and Outcomes of a Uniform Drain-Free Strategy for Primary and Revisional Metabolic Bariatric Surgery under an ERAS Protocol. Obes Surg 2026 (doi:10.1007/s11695-026-08599-0) - Sroczyński P et al. Technical variability and safety of sleeve gastrectomy: a nationwide survey of bariatric centers in Poland. Videosurgery 2025 (doi:10.20452/wiitm.2025.17954)